Bekannte Hanauer

Amelia Elisabeth, Landgräfin von Hessen-Kassel (1602-1651) Nach Oben

Amelia-elisabeth Bild: Medienzentrum

Als zweite Tochter des Grafen Philipp Ludwig II von Hanau-Münzenberg und dessen Gemahlin Katharina Belgia genoss Amelia Elisabeth eine ausgezeichnete Bildung. Sie heiratete 1619 den späteren Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel und gebar ihm 14 Kinder, von denen nur vier erwachsen wurden. Er schloss sich im Dreißigjährigen Krieg der protestantischen Seite an und befreite 1636 Hanau aus der Belagerung durch General Lamboy und seine kaiserlichen Truppen. Nach dem Tod ihres Gatten 1637 regierte Amelia Elisabeth Hessen-Kassel bis 1650 als Regentin für ihren unmündigen Sohn Wilhelm, dann übergab sie ihm die Amtsgeschäfte. Sie erwies sich dabei als eine geschickte und energische Regentin. Trotz der schlechten Ausgangslage 1637 gelang es ihr nicht nur, dem Sohn die Landgrafschaft zu erhalten, sondern auch, sie dauerhaft zu konsolidieren. Über ihre Tochter Charlotte ist Amelia Elisabeth die Großmutter der berühmten Liselotte von der Pfalz. Amelia Elisabeth ist eine von nur zwölf Frauen, die in die Walhalla, der im Bayerischen gelegenen Gedenkstätte, die König Ludwig I. errichten ließ, aufgenommen wurden. Sie starb 1651 in Kassel.

August Ferdinand Schärttner (1817-1859) Nach Oben

August-ferdinand-sch _rttner Bild: Medienzentrum

Die Vita des Revolutionärs ist eng verbunden mit der Geschichte der Deutschen Turnerbewegung und der Revolution 1848/49. Der Sohn eines Küfermeisters und Weinhändlers und Nachkommen flämischer Hugenotten erlernte bei seinem Vater das Küferhandwerk. Gleich nach seiner Rückkehr von der Wanderschaft, der “ Walz“, wurde er eines der ersten Mitglieder der 1837 gegründeten Hanauer Turngemeinde, die ihn 1841 zum Vorsitzenden wählte. Auf Initiative von Turner Friedrich August Ravenstein (1809-1881) aus Frankfurt wurde erstmals 1844 auf dem Feldberg das Bergturnfest gefeiert. Dem ältesten und heute noch stattfindenden Bergturnfest gab August Schärttner die turnerische Prägung. Als Mitglied der Hanauer Volkskommission und Mitunterzeichner des Hanauer Ultimatums für bürgerliche und politische Freiheit in Kurhessen und Deutschland reiste er mit einer Delegation am 9. März 1848 zum Landesherrn, dem Kurfürsten von Hessen-Kassel, der die Grundrechte schließlich gewährte. Schärttner wurde zum Sprecher des neu gegründeten Demokratischen Turnerbundes und hatte mit dem DTB weniger einen Turnerbund als vielmehr eine demokratische Partei geschaffen. Unter Schärttners Führung eilte die Turnerwehr zur Verteidigung der Reichsverfassung 1849 den revolutionären Truppen in Baden zu Hilfe. Der Kampf ging jedoch verloren. Schärttner ging nach London ins Exil. Dort erwarb er ein Lokal und nannte es „Deutsches Haus“. Es war Treffpunkt der Emigranten, zu denen kurzzeitig Karl Schurz, Carl Marx, Gottfried Kinkel, ehemals Chefredakteur der „Bonner Zeitung“, Professor Carl Damm, ehemals Präsident der badischen Kammer, und auch der berühmte Architekt Gottfried Semper aus Dresden gehörten. Schärttner, der sich für soziale Gerechtigkeit und die Einheit Deutschlands in einer Demokratie eingesetzt hatte, wurde in Hanau in Abwesenheit zu acht Jahren Haft wegen Hochverrats verurteilt. Die Jahre später erfolgte Generalamnestie des Kurfürsten von Hessen-Kassel erlebte Schärttner nicht mehr. Er starb 1849 in London.

August Gaul (1889-1921) Nach Oben

August-gaul Bild: Medienzentrum

Der im Stadtteil Großauheim geborene August Gaul gilt als bedeutendster deutscher Tierplastiker der Jahrhundertwende. Nach einer Lehre als Modelleur und Ziseleur besuchte er ab 1884 die Königliche Zeichenakademie in Hanau. 1888 ging er nach Berlin; wo er zunächst in einem Bildhaueratelier arbeitete und ab 1894 an der Kunstakademie studierte. Er war mit drei großformatigen Raubtierbronzen an der Ausführung der Nationaldenkmäler für Kaiser Wilhelm I. und Bismarck beteiligt, die vor dem Berliner Stadtschloss und vor dem Reichstag errichtet wurden. Gaul gestaltete monumentale Skulpturen in Stein und Bronze und Klein- und Kleinstformate. 1898 wurde er Gründungsmitglied der Berliner Sezession. Diese Künstlervereinigung prägte im Kreis von Max Liebermann und Paul Cassirer eine neue Kunstauffassung. Diese löste sich von der konservativen offiziellen Kunstauffassung und Kunstpolitik und dem Repräsentationsbedürfnis der Kaiserzeit. 1908 wurde Gaul zum Professor der Akademie der Künste ernannt, 1919 folgte die Berufung in die Ankaufskommission der Berliner Nationalgalerie, 1921 schließlich die Ernennung zum Senator der Akademie der Künste. Mit der lebensgroßen „Stehenden Löwin“ fand August Gaul um 1900 zu einer formalen Gestaltung, die sich auf die wesentlichen Merkmale des Tieres konzentrierte. Er schuf damit eines der bedeutendsten plastischen Werke des zwanzigsten Jahrhunderts. Ab 1903 wandte sich August Gaul der Gestaltung von Brunnenanlagen zu, die für seine Tierbronzen einen architektonischen Rahmen bildeten. Sein grafisches Werk beinhaltet Landschaftsaquarelle und Tierdarstellungen. Viele seiner Arbeiten sind in den Hanauer Museen zu bewundern. Das Museum Großauheim widmet ihm eine eigene Abteilung. Auch die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt trägt seinen Namen: die August-Gaul-Plakette.

Dr. Elisabeth Schmitz (1893-1977) Nach Oben

Dr.jpeg Bild: Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V.

Die Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus wurde 2011 zur „Gerechten unter den Völkern“ von der Kommission der „Yad-Vashem-Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“ ernannt. Die Hanauerin studierte evangelische Religion, Geschichte und Deutsch und promovierte. Dr. Schmitz arbeitete als Lehrerin in Berlin und war dort seit 1934 Mitglied der bekennenden Kirche. 1935 rief sie zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf und verfasste die „Denkschrift zur Lage der deutschen Nichtarier“, eine Mahnung gegen die Judenverfolgung. Sie sah bereits zu dieser Zeit klar die Verbrechen und den beispiellosen Völkermord an den Juden voraus. Sie ließ sich wegen ihrer Ablehnung des Nationalsozialismus im Schuldienst versetzen, gewährte ihrer verfolgten jüdischen Freundin Obdach. Nach den Novemberpogromen 1938 schied sie auf eigenen Antrag aus der Lehrtätigkeit aus. Bei den vom nationalsozialistischen Regime organisierten gewaltsamen Ausschreitung gegen Juden wurden mehr als 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört. Hunderte Menschen starben. 1943 kehrte Dr. Schmitz nach Hanau zurück und nahm 1946 wieder das Lehramt am Realgymnasium für Mädchen, der späteren Karl-Rehbein-Schule, auf. Bis 1958 war sie dort als Oberstudienrätin für die Fächer Deutsch, Geschichte und Religion und prägte das pädagogische Profil und den guten Ruf der Schule mit. Engagiert arbeitete Dr. Elisabeth Schmitz im Hanauer Geschichtsverein als Arbeitsausschuss-Mitglied, forschte unter anderem über das Westerfeld´sche Gut, das heutige Olof-Palme Haus, und begleitete Vorträge wie Studienfahrten. 2005 wurde ihr auf dem Hauptfriedhof ein Ehrengrab gewidmet.

Karoline von Günderrode (1780 – 1806) Nach Oben

Karoline-von-g _nderrode Frankfurter Goethe-Haus – Freies Deutsches Hochstift

Die Dichterin der Romantik zog nach dem Tod ihres Vaters 1786 im Alter von sechs Jahren mit ihrer Mutter und vier Geschwistern von Karlsruhe nach Hanau. Ihr Vater war Hofrat und Kammerherr in Karlsruhe und hatte neben historischen Werken auch Idyllen publiziert. In Hanau wohnte die Familie in einem Stadtpalais an der Französischen Allee. Mit 17 wurde Karoline „Stiftsfräulein“ des evangelischen Crostetten – Hynspergischen Adeligen Damenstifts in Frankfurt am Main, studierte Philosophie, Geschichte, Literatur, Mythologie und begeisterte sich für die Französische Revolution. Aus unglücklicher Liebe zum verheirateten Heidelberger Gelehrten Friedrich Creuzer, aber auch belastet vom Konflikt zwischen ihrem Freiheitsbedürfnis und der Frauenrolle der damaligen Zeit, erdolchte sie sich 1806 in Winkel im Rheingau.

Dr. Louis Paul Amédée Appia (1818-1889) Nach Oben

Dr.Louis Paul Amedee Appia Bild: Medienzentrum

Appia war Arzt, Mitbegründer des Roten Kreuzes, Sekretär des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes. Von ihm stammt die Idee, in Kriegsgebieten das Sanitätspersonal durch weiße Armbinden mit einem roten Kreuz besser kenntlich zu machen. Louis wurde als drittes von sechs Kindern in Hanau geboren. Sein Vater war seit 1811 Pfarrer der Wallonisch-Niederländischen Kirche. Louis besuchte das Gymnasium in Frankfurt, erlangte mit 18 Jahren in Genf die Hochschulreife und studierte ab 1838 in Heidelberg Medizin, promovierte 1843. Als Chirurg erwarb er sich Verdienste in der Militärmedizin. Appia und der Genfer Kaufmann Henry Dunant gründeten, zusammen mit dem Rechtsanwalt Gustav Moynier, dem General Wilhelm Dufour und dem Arzt Theodor Maunoir, im Frühjahr 1863 das „Komitee der Fünf“, aus dem später das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hervorging. Diese Kommission betrieb das Zustandekommen der ersten „Genfer Konvention“, die 1863 verabschiedet wurde. Die vier Genfer Konventionen sind Abkommen zwischen Staaten zum humanitären Völkerrecht. Sie enthalten für den Fall eines Krieges oder Konflikts Regeln für den Schutz von Personen, die nicht an den Kampfhandlungen teilnehmen, wie Verwundete, Kranke, Kriegsgefangenen und Zivilpersonen. Auf vielen Kongressen und Konferenzen engagierte Appia sich für die Prinzipien des Roten Kreuzes und verhalf ihnen somit international zum Durchbruch. Er trat auch dafür ein, dass über den Einsatz im Krieg hinaus die nationalen Hilfsgesellschaften der Bevölkerung auch bei Naturkatastrophen und Epidemien beistehen sollten. Appia starb 1889 in Genf

Marie Hassenpflug (1788-1856) Nach Oben

Marie Hassenpflug

Die Grimm‘schen Märchen wären ohne sie nicht das, was sie sind: Marie Hassenpflug, Zeitgenossin und langjährige Vertraute der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Sie trug einige der bekanntesten Märchen zur weltberühmten Kinder- und Hausmärchen-Sammlung der Brüder Grimm bei, die im Jahr 1812 publiziert wurden. Von ihr und zum Teil auch von ihren Schwestern stammen die Märchen aus der Maingegend – und damit auch aus der Hanauer Region: Unter anderem Brüderchen und Schwesterchen, Rotkäppchen, Daumerlings Wanderschaft, Dornröschen, Der Froschprinz, Schneewittchen, Der goldene Schlüssel, Rumpelstilzchen, Die sieben Raben, Die drei Spinnerinnen, Rotkäppchen, Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack, Der gestiefelte Kater, Hurleburlebutz, Der Wolf und die sieben jungen Geißlein, Das tapfere Schneiderlein, Die sieben Raben, Der gescheite Hans, König Drosselbart, Rumpelstilzchen, Die goldene Gans und einige mehr. Marie Hassenpflug lebte von 1789 bis 1799 mit ihrer Familie im Haus Lossow am Neustädter Marktplatz, Ecke Lindenstraße. Das Originalgebäude wurde Ende des zweiten Weltkriegs zerstört. Das Haus, das an gleicher Stelle wieder erbaut wurde, ist bis heute im Besitz der Familie Lossow. Eine Gedenktafel erinnert an die berühmte Geschichtenerzählerin Marie Hassenpflug. Marie Magdalene Elisabeth Hassenpflug kam in Altenstadt zur Welt. Ihr Vater Johannes wurde 1789 zum Stadtschultheiß der Neustadt berufen, die Familie zog nach Hanau. Die Hassenpflugs pflegten seit dieser Zeit enge Bekanntschaft mit der Familie Grimm (Maries Bruder Ludwig heiratete 1822 die Grimm-Schwester Charlotte). 1799 siedelten die Hassenpflugs nach Kassel um, wohin der Vater als Finanzaufseher versetzt worden war. In der Kasseler Region trafen die Hasselpflug-Schwestern später auch wieder auf die Brüder Grimm und erzählten ihre Märchen. Marie heiratete 1814 Hans Friedrich von Dalwigk von der Schaumburg, der als Capitain im Regiment Kurprinz in Hanau stationiert war, und lebte auf der „Burg“ in Schauenburg-Hoof, einer Gemeinde im Landkreis Kassel. Sie gebar 1817 in Hanau einen Sohn, Hans Ludwig Alexander. Von 1819-1824 standen die Eheleute als Hofdame und Kammerherr in Diensten der Herzogin von Anhalt-Bernburg und wohnten im Altstädter Schloss. Marie starb 1856 in Kassel.

Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882) Nach Oben

Oppenheim - Selbstbildnis Bild: Medienzentrum

Der in der Hanauer Judengasse (Heutige Nordstraße) geborene Maler besuchte einst die Hanauer Zeichenakademie. Als erster jüdischer Künstler erhielt er eine akademische Ausbildung und schuf schon mit vierzehn Jahren Arbeiten für den Finanzminister des Großherzogtums Frankfurt. Er führte erstmals jüdische Themen in die Malerei ein und ist als Porträt- und Historienmaler und Maler des jüdischen Alltags weltweit bekannt. Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn nach München, Paris und Rom. 1825 ließ er sich in Frankfurt nieder, malte Szenen des jüdischen Bürgertums und Portraits begüterter Familien. Ab 1865 entstand seine berühmte Serie „Bilder aus dem Altjüdischen Familienleben“ vor dem Hintergrund der sozialen und politischen Umbrüche, die das deutsche Judentum im 19. Jahrhundert erfuhr. Das Werkverzeichnis dokumentiert mehr als 700 Werke, von denen fast ein Drittel verschollen ist. Ihm ist eine Dauerausstellung im Historischen Museum Schloss Philippsruhe gewidmet. Weitere Werke Oppenheims befinden sich in Düsseldorf, im Frankfurter Städel, in der Hamburger Kunsthalle, in Museen in Jerusalem, Köln, Kopenhagen, Leipzig, London, New York, Paris, Weimar und Wien. Auf dem Freiheitsplatz wird im Zuge des Stadtumbaus ihm zu Ehren ein Denkmal errichtet werden.

Nyanaponika Mahathera (1901-1994) Nach Oben

Nyanaponika-mahathera http://commons.wikimedia.org

Nyanaponika Mahathera war 57 Jahre lang buddhistischer Mönch in der Theravada-Tradition, der ältesten noch existierende Schultradition des Buddhismus. Er wurde als Siegmund Feniger in Hanau geboren. Er war das einzige Kind eines Ladenbesitzers und genoss eine traditionelle jüdische Erziehung. Siegmund war sehr an religiösen Dingen interessiert. Er begann, im Buchhandel zu arbeiten und stieß dabei auf den Buddhismus. Nach der Übersiedlung der Familie nach Berlin 1922 kam Feniger in Kontakt mit Buddhisten, erfuhr von Nyanatiloka, einem deutschen Mönch, der in Ceylon eine Einsiedelei, die „Island Hermitage“ gegründet hatte. Feniger wurde Buddhist, verhalf jüdischen Freunden zur Ausreise, opponierte gegen die Nationalsozialisten. Schließlich musste er Deutschland 1935 in Richtung Österreich verlassen und verwirklichte 1936 seinen Plan, sich Nyanatiloka in Sri Lanka anzuschließen. Ein Jahr später wurde er bereits zum vollordinierten Bhikkhu (buddhistischer Mönch) mit dem Namen Nyanaponika („zur Erkenntnis geneigt“). 1958 konnte Nyanaponika die Erfahrungen seines Ursprungsberufes nutzen, als er Leiter und Herausgeber der neu gegründeten BPS (Buddhist Publication Society) wurde. Die BPS, die er bis 1984 leitete, wurde trotz ärmlichster Start-Bedingungen zu einem weltweit anerkannten Verlag für die Verbreitung der Theravada-Lehre. Sein Wirken als buddhistischer Lehrer und Gelehrter, als Übersetzer und Autor buddhistischer Schriften und als Herausgeber und Vortragender haben ihn zu einer führenden Gestalt für die Erneuerung des Buddhismus in Asien, insbesondere Sri Lanka gemacht, wo ihm größte Wertschätzung entgegengebracht wurde. Seine Reisen und sein Wirken in Deutschland und der Schweiz waren für europäische Buddhisten von großer Bedeutung.

Paul Hindemith (1895-1963) Nach Oben

Paul-Hindemith Bild: Medienzentrum

Der Komponist und Musiker wurde in der Hanauer Vorstadt geboren. Er studierte ab 1908 Musik am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main und trat als Geiger und Bratschist unter anderem im Hanauer Stadttheater auf. 1915 avancierte er zum Konzertmeister des Frankfurter Opernhausorchesters. 1927 wurde er an die Berliner Hochschule für Musik berufen, wo er sich für die „Neue Musik“ und das Sujet Atonalität einsetzte. Wegen seiner sozialkritischen Musik und seiner jüdischen Mutter geriet er in Konflikt mit den Nationalsozialisten, bekam Auftrittsverbot. Er 1936 in die Schweiz und Türkei aus, lebte ab 1940 in den USA und gelangte zu Weltruhm. Hindemith lehrte als Professor für Musiktheorie an der Yale Universität. Ab 1951 lehrte er an der Universität Zürich. Er war als Komponist und Musiker, als Librettist, Pädagoge und Musiktheoretiker tätig und schrieb für alle Instrumente, die er übrigens auch selbst spielen konnte: Streichquartette, Sonaten, Kammermusik, Klaviermusik, Vokalmusik, große Orchesterwerke, Chorwerke und Opern. In seinen Arbeiten versuchte er, alte kompositorische Formen mit neuartigen Gestaltungsmitteln zu verbinden. Er fand einen sehr persönlichen Stil, der die Grenzen der Tonalität erreicht, aber nie überschreitet. Auch die theoretischen Schriften Hindemiths genießen allgemein hohes Ansehen. Das Glockenspiel im Turm des Neustädter Rathauses am Marktplatz spielt täglich um 12 Uhr seinen Kanon "Wer sich die Musik erkiest", op. 45 II. Stündlich zwischen 8.00 Uhr und 21.00 Uhr erklingt das 1. Thema des Kopfsatzes ("Ruhig bewegt") der Klaviersonate Nr. 3, die er 1936 komponierte. Paul Hindemith lebte bis zu seinem Tode 1963 bei Vevey am Genfer See. Die Stadt Hanau verleiht seit 2000 alle zwei Jahre den Paul-Hindemith-Musikpreis.

Rosa Albach-Retty (1874–1980) Nach Oben

Rosa-Albach-Retty http://commons.wikimedia.org/

105 Jahre alt ist sie geworden, die berühmte Schauspielerin Rosa Albach-Retty, geborene Rosa Clara Franziska Helene Retty. Und in Hanau hat ihre Wiege gestanden. Ihre Eltern Rudolph und Maria Retty gehörten zu den Ensemblemitgliedern des Hanauer Stadttheaters. Rosa war Spross einer alten traditionsreichen Schauspielerdynastie. Ihr Vater, Schauspieler und Regisseur, förderte das Talent der Tochter und bildete sie aus. Von 1890 an spielte sie in Berlin, zunächst am Berliner Lessingtheater, wo sie in der Titelrolle der Minna von Barnhelm erste Erfolge feierte. Auch in Hosenrollen (Der kleine Lord, Der Kaufmann von Venedig) sah man sie auf der Bühne. 1895 bis 1903 war sie am Deutschen Volkstheater in Wien engagiert und dann am Wiener Burgtheater. Dort erhielt Rosa Albach-Retty 1905 den Titel Hofschauspielerin, den sie als letzte Schauspielerin trug. 1928 wurde sie Ehrenmitglied des Burgtheaters, 1958 gab sie ihre Abschiedsvorstellung. Anfang der 1930er-Jahre wechselte die Schauspielerin das Rollenfach, verlieh nun Figuren wie der Marthe Schwerdtlein in Goethes Faust oder der Marthe in Kleists Der zerbrochene Krug Bühnenleben. Im März 1973 feierte Rosa Albach-Retty ein Ereignis, dass noch nie einem Künstler vergönnt war: die 70-jährige Zugehörigkeit zum Wiener Burgtheater. Ihr Filmdebüt gab sie 1930 im Film Geld auf der Straße. Rosa Albach-Retty erhielt während ihrer langen Karriere zahlreiche Auszeichnungen: So war sie unter anderem seit Oktober 1958 erste Trägerin der Kainz-Medaille der Stadt Wien. Auch ihre Nachkommen waren berühmte Schauspieler. Ihr Sohn aus der Ehe mit dem K.u.K.-Offizier Karl Albach war der Schauspieler Wolf Albach-Retty. Dessen Tochter, also die Enkelin von Rosa, war die Schauspielerin Romy Schneider. Rosa Albach-Retty starb 1980 im Alter von 105 Jahren. Zu ihrem hundertsten Geburtstag hatte sie noch ihre Autobiografie „So kurz sind 100 Jahre“ herausgebracht. Ihr Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Rudolf (Rudi) Völler (* 1960) Nach Oben

Rudi Völler http://commons.wikimedia.org

Der Mann mit den mittlerweile weißen Haaren wurde am 13. April 1960 in Hanau geboren. Rudi Völlers Vater Kurt arbeitete als gelernter Dreher, später als Lagermeister, und war nach seiner aktiven Spielzeit beim örtlichen Fußballverein TSV 1860 Hanau dort Jugendbetreuer. Ehefrau Ilse verdiente als Näherin und Putzfrau noch etwas zum Familienunterhalt dazu und kümmerte sich um Sohn Rudi und seine drei Brüder. Mit acht Jahren nahm Vater Kurt seinen Junior zum ersten Mal mit zum Training. Von da an ging‘s bergauf. Schnell bewies Klein-Rudi sein Talent im Sturm, eine Position, die dem Jungen von Anfang besonders gefiel. Als Stürmer der C-Jugend des TSV erzielte er 40 bis 50 Tore pro Saison. Mit 15 Jahren wurde Rudi von dem Offenbacher Talentspäher Hermann Nuber entdeckt. Er trainierte mit 16 Jahren erstmals mit der Profimannschaft der Offenbacher Kickers und erhielt 1978/79 seinen ersten Profivertrag. Rudi besuchte die Realschule sowie eine Hanauer kirchliche sogenannte Sonntagsschule. Obwohl ihn Kickers Offenbach direkt nach seinem Realschul-Abschluss verpflichten wollte, absolvierte er, auch auf Drängen der Mutter Ilse, zunächst eine Lehre. So arbeitete Rudi als Bürokaufmann-Azubi bei der Kickers-Geschäftsstelle und später bei der Firma LÖBRO, die Gelenkwellen für Personenwagen und LKW herstellte. Die Stationen seiner Fußballer-Karriere sind imponierend: 1980 Wechsel zum Erstligisten TSV 1860 München. 1982 U-21-Vizeeuropameister. 1982/83 bei Werder Bremen, Bundesliga-Torschützenkönig. 1987 Wechsel zu AS Rom. 1992 Kapitän der Deutschen Fußballnationalmannschaft. 1992/93 Wechsel zu Olympique Marseille, 1993 Europapokal der Landesmeister. Wechsel zu Bayer 04 Lerverkusen, 1996 dort Sportdirektor. 2000 Teamchef der DFB-Auswahl, 2002 Vize-Weltmeister. 2004 Teamchef bei AS Rom, seit 2005 erneut Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen. Rudi Völler wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, unter anderem: 1983 erhielt er den Titel Deutschlands Fußballer des Jahres, 2000 Mann des Jahres des deutschen Fußballs. 2002 wurde Rudi Völler Ehrenbürger von Hanau, im selben Jahr erhielt er das Bundesverdienstkreuz und den Bambi. 2008 bekam er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. 2006 wurde er zum Botschafter der Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung. Seinen Spitznamen, „Tante Käthe“, erhielt der Hanauer Bub übrigens wegen seiner Haarfrisur …

Wilhelm Carl Heraeus (1827-1904) Nach Oben

Wilhelm Carl Heraeus Bild: Medienzentrum

Der Begründer des weltweit tätigen Edelmetall- und Technologiekonzerns Heraeus studierte nach seiner Apothekerlehre ab 1849 Pharmazie und Chemie in Göttingen.1851 übernahm er die elterliche Einhorn-Apotheke in Hanau. Der junge Wissenschaftler erweiterte sofort nach Übernahme der Apotheke deren Labor und beschäftigte sich mit der Metallverarbeitung. Es gelang ihm, Platin zu schmelzen – damit war 1856 die „Erste Deutsche Platinschmelze“ geboren. Bald zählten Schmuckfabrikanten, Goldschmiedewerkstätten, Labors und Zahnfabriken und Unternehmen aus aller Welt zu seinen Kunden. Eine Vielzahl bahnbrechender Erfindungen machten die Apotheke in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ganz Europa bekannt, so etwa die Herstellung pharmazeutischer Eisenpräparate, chemisch reiner Flusssäure, Rubidium und Caesium. Seine Söhne Wilhelm und Heinrich übernahmen 1889 den Familienbetrieb und entwickelten ihn zum Weltunternehmen. Heraeus war Stadtrat, Handelskammer-Delegierter und von 1884-1898 Vizebürgermeister von Hanau. Er förderte mit Stiftungen soziale Bestrebungen und humanitäre Einrichtungen und erhielt 1898 als erster Hanauer das Ehrenbürgerrecht. Heute ist das Unternehmen Heraeus immer noch in Familienbesitz und zählt etwa 13.300 Mitarbeitern in mehr als 120 Gesellschaften.

Graf Philipp Ludwig II. von Hanau Münzenberg (1576 – 1612) Nach Oben

Sein Name steht für den Aufbruch Hanaus in eine neue Ära: Graf Philipp Ludwig II. von Hanau Münzenberg übernahm 1595 mit nur 19 Jahren die Herrschaft in Hanau und heiratete ein Jahr später Katharina Belgia von Nassau-Bourbon, eine Tochter des niederländischen Freiheitshelden Wilhelm von Oranien. 1597 gründete Graf Philipp Ludwig II. zusammen mit calvinistischen Glaubendflüchtlingen die Neustadt Hanau, in der sich vor allem Niederländer und Wallonen ansiedelten. Sie hatten als Handwerker, Kunsthandwerke, Gold-und Silberschmiede und Händler großen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Sein Weltbild erweiterte der Graf durch Reisen in die Niederlande, nach Frankreich, Dänemark, Österreich, Ungarn und Italien, wobei er jeweils einige Monate an den Universitäten Bologna, Padua und Leiden studierte. Er erhielt Audienzen bei Kaiser Rudolph II., der ihn 1607 zum Kaiserlichen Rat ernannte. 1603 erlaubte Philipp Ludwig II. Juden, eine Hanauer Gemeinde zu bilden, 1607 gründete er die Hohe Landesschule. Er engagierte sich für das Landschulwesen und reorganisierte die Verwaltung und stiftete den 1611 errichteten Gerechtigkeitsbrunnen vor dem Altstädter Rathaus. Auf sein Bestreben hin wurde die Wallonisch-Niederländische Kirche als markante acht- und zwölfeckige Doppelkirche gebaut, und er ließ 1602 eine Gruft für das Hanauer Grafenhaus in der Marienkirche angelegen, in der er auch beigesetzt ist. Seine Büste steht vor der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

Dr. Richard Küch (1860 – 1915) Nach Oben

Wer während des ganzen Jahres gerne sonnengebräunte Gesichtsfarbe trägt, jedoch den Tag nur in Innenräumen verbringt, der sollte Richard Küch danken. Der Physiker und Chemiker veränderte wortwörtlich das Aussehen vieler Menschen – mit der Erfindung der Höhensonne. 1869 wurde Rentmeister Küch, Richard Vater, von Salmünster nach Hanau versetzt. Richard besuchte die Hohe Landesschule, machte 1878 sein Abitur. Von 1879 an studierte Küch zuerst in Marburg, dann in Leipzig Mathematik, Physik, Chemie und Naturwissenschaft. 1884 promovierte Küch in Leipzig mit summa cum laude. Dr. Küch war nach seinem Studium Assistent am Mineralogisch-Petrographischen Institut der Universität Berlin. 1889 erhielt er einen Forschungsauftrag seiner Schulfreunde, der Brüder Wilhelm und Richard Heraeus. Die Heraeus-Brüder waren von seiner Arbeitsweise so überzeugt, dass sie ihm 1890 in der familieneigenen Platinschmelze, die sie ein Jahr zuvor von ihrem Vater übernommen hatten, eine Anstellung als Leiter der wissenschaftlichen Forschung anboten. Küch nahm das Angebot im April 1890 an und übersiedelte nach Hanau. Seine Arbeit bei Heraeus trug schnell Früchte, und so reichte Heraeus 1891 unter der Regie Küchs das erste Patent der Firmengeschichte ein. Das Reichspatent 63591 patentierte die Vergoldung von Platinblech für die chemische Industrie. 1909 wurde Richard Küch Mitgesellschafter der neu gegründeten W.C. Heraeus GmbH) und neben den Heraeus-Brüdern einer der drei Geschäftsführer. Eine seiner weiteren bahnbrechenden Erfindung war die Gewinnung von blasenfreiem Quarzglas höchster Reinheit. Dies führte zur Gründung der "Heraeus Quarzschmelze". Quarzglas bildete auch eine Grundlage für den nächsten Schritt zur künstlichen Bräune. 1903/04 gelang ihm die Konstruktion einer Quarzglas-Quecksilberlampe, der "Künstlichen Höhensonne – Original Hanau". Viele weitere bedeutende Erfindungen gehen auf Dr. Richard Küch zurück. Er war außerdem Mitglied des Vereins Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau 1808 e.V., der ältesten aktiv naturforschenden Gesellschaft in Europa. 1915 im Jahr seines 25. Firmenjubiläums starb Küch 1915 in Hanau an den Folgen einer Herzerkrankung.

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